Aus der Presse

skol.de 13.12.2011

Musik aus dem Norden wird zum besonderen Hörerlebnis

Geisingen – Lange anhaltender, donnernder Applaus, stehende Ovationen und ein prächtiges Blumengebinde für den Dirigenten, Stadtmusikdirektor Rudolf Barth – bester Beweis, dass das Kirchenkonzert der Stadtmusik Geisingen am Sonntagabend in der ausverkauften Stadtkirche St. Nikolaus auf wieder einmal höchstem musikalischen Niveau nur begeisterte Zuhörer gefunden hatte.Und dabei hatte der Stadtmusikdirektor, der mit kurzen, prägnanten Erklärungen die jeweiligen Titel interpretierte, nach den Beifallsstürmen zum Konzertende sogar noch eine Premiere zu verkünden.

Musik aus dem Norden wird zum besonderen Hörerlebnis
Unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Rudolf Barth gibt die Geisinger Stadtmusik am Sonntagabend in der vollbesetzten Stadtkirche St. Nikolaus ein imposantes Konzert, bei dem Stücke nordischer Komponisten Akzente setzen.
Bild: Haug

Nach inzwischen zwölf oder 13 Kirchenkonzerten habe das Orchester am heutigen Abend zum ersten Mal sogar zwei Zugaben geben müssen. Ein Wunsch, dem man mit Sergei Rachmaninows „Italienischer Polka“ aber auch gerne nachgekommen war.

Musikalisch stand das Kirchenkonzert vor der prächtigen Altarkulisse der St.-Nikolaus-Kirche ganz unter dem Motto „Musik aus dem Norden“. Dabei beseelt jedoch auch von der Sehnsucht vieler nordländischer Komponisten, mit der musikalischen Wahl gerade südlicher Themen einen Ausgleich zur langen Dunkelheit während des nordischen Winters zu finden, wie der Stadtmusikdirektor dazu erläuterte. Dies wurde besonders deutlich in Carl Nielsens „Aladdin Suite“ in einem Arrangement von Johan de Meij in drei Sätzen. Beginnend mit dem Orientalischen Festmarsch, dessen Mollfarben das Zeremoniell-Märchenhafte des Orients besonders unterstrichen, folgte „Aladdins Traum“ und „Tanz des Morgennebels“. Den zunehmend ausgelassenen, energiegeladenen Abschluss bildet der afrikanische Tanz.

Begonnen hatte das Konzert jedoch mit Edvard Griegs Trauermusik aus dem Melodrama „Bergliot“. Düsterer und unheilverkündend, unter anschwellendem Dröhnen der Schlagwerke, entwickelte sich das schwermütige und dynamisch weit gespannte Musikstück bis hin zur sukzessive im Nichts des Pianissimo verlaufenden Endpassage. In fröhlichem Kontrast dazu stand die „Polnische Weihnachtsmusik“ von Johan de Meij. Dabei waren die feierlichen Untertöne nicht zu verkennen, jedoch immer wieder mit volkstümlichen, ja geradezu leichten tänzerischen Elementen untermalt, dies machte die Faszination des Stückes aus.

Richtig unter die Haut ging die feierliche Inszenierung des letzten Parts im Zusammenspiel mit Orchester und einer immer mächtiger werdenden, zuletzt dominierenden Orgel. Eine stetig triste, schwermütige Grundstimmung bestimmte den „Valse triste“, eine der berühmtesten Werke von Jean Sibelius, in dem die Totenwache des Sohnes am Totenbett seiner Mutter erzählt wird. Und auch in den eigentlich lebensfrohen Walzerklängen blieb der triste Grundtenor, bei dem stets das tiefe Blech mit den Hörnern dominierte, unterschwellig erhalten.

Das Hauptwerk des Programms bildet die dritte oder auch slawische Sinfonie in F-Dur des im Westen nahezu unbekannten russischen Komponisten Boris Kozhevnikov, die sich in der Thematik stark an das russische Volksliedgut anlehnt. Das Allegro strahlte trotz der schwermütigen Tonart f-Moll überschäumende Lebensfreude aus, gefolgt von einem lieblichen Walzer im zweiten Satz in der verwandten Tonart Des-Dur.

Die Haupttonart F-Dur bestimmte das Scherzo mit einem schnellen Tempo, bei dem die „Piccolo“ dominierte und von den Ausführenden große Finger- und Zungenfertigkeit auf ihren Instrumenten abverlangte. Im abschließenden Moderato wurden die verschiedenen Themen der vorangegangenen Sätze nochmals aufgenommen, um die ganze Sinfonie als Einheit abzurunden. Ein brillantes Werk, welches das ganze Orchester forderte.

 

 

Erneut hat sich das Jugendblasorchester der Stadt Geisingen bei einem internationalen Wettbewerb den Wertungsrichtern gestellt. In Balzers in Liechtenstein nahm das Orchester am Verbandsmusikfest und



 Jungmusiker überzeugen

Geisinger Jugendblasorchester stellt sich erfolgreich Wettbewerb in Liechtenstein

Erneut hat sich das Jugendblasorchester der Stadt Geisingen bei einem internationalen Wettbewerb den Wertungsrichtern gestellt. In Balzers in Liechtenstein nahm das Orchester am Verbandsmusikfest und Wertungsspiel in der Oberstufe teil.

Geisingen (ph) Das Jugendblasorchester (JBO) der Stadt Geisingen kann wie die Stadtmusik einen weiteren internationalen Erfolg für sich verbuchen. Das Orchester nahm am 63. Liechtensteiner Verbandsmusikfest teil, das in der Gemeinde Balzers stattfand. Die 35 Musiker mit ihrem Dirigenten Stadtmusikdirektor Rudolf Barth stellten sich der international besetzten Jury als einziges Jugendorchester überhaupt und in der zweiten Klasse der Oberstufe. Juroren waren Tony Kurmann aus der Schweiz, Thomas Ludescher aus Vorarlberg, Hermann Pallhuber aus Tirol und Alexander Veit aus Südtirol. Das JBO spielte „eine kleine Yiddische Ragmusik“ von Adam Gorb und „Alcazar“ von Llano. Beide Stücke spielte das Orchester schon beim Frühjahrskonzert. Die Juroren hingen die Messlatte sehr hoch, was auch Verbandspräsident Anton Gerner betonte. Acht Kapellen nahmen am Wertungsspiel teil, sie erhielten zwischen 74 und 92 Punkte. Das Jugendblasorchester erhielt 85 Punkte und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Grund zur Freude und damit auch zum feiern. Das Jugendblasorchester erlebte zwei schöne Tage in Liechtenstein, neben dem Wertungsspiel nahm man am Festumzug teil und besuchte das 1600 Meter hoch gelegene Malbun. Beeindruckend waren auch die perfekte Organisation und die Gastfreundschaft. 

skol.de, 08.06.2010

Musikerfolg in Italien

 

Geisingen – Jährlich den musikalischen Leistungsstand einem unabhängigen Gremium vorzustellen, ist bei der Stadtmusik Geisingen seit einem Jahrzehnt Bestandteil des Jahresprogramms, ja unter Stadtmusikdirektor Rudolf Barth gar eine Herausforderung. Im letzten Jahr in Überlingen, in diesem Jahr verbunden mit einem Ausflug in Italien in Bertiolo, einer Stadt neben Udine.


In Bertiolo findet das Festival „Associazione Culturale Musicale“ statt, für das man sich bewerben muss. Geisingen erhielt eine Zusage und so fuhren die 57 Musiker, fast die komplette Stadtmusik, nach Italien. Ein Doppeldeckerbus und Anhänger voll beladen, startete in Geisingen und kam nach über zwölfeinhalb Stunden in Udine an. Hier übernachteten die Musiker. Schon am ersten Abend hieß es eine Musikprobe abzuhalten, der Abend stand zur freien Gestaltung zur Verfügung. Auch der zweite Tag hatte ein ähnliches Programm, eine Generalprobe, dann Aufenthalt am Mittelmeer in Grado.

Am dritten Tag wurde es ernst, Abfahrt nach Bertiolo, Schlagzeug aufbauen und eine erneute Probe, ehe es dann zum Wettbewerb ging. In der Höchststufe stellte sich die Stadtmusik einer internationalen Jury, die bei solchen Wettbewerben die Messlatte sehr hoch ansetzt. Mit der „Ouverture to Vox Stellarum“ von Wong Kah Chun als Pflichtstück, der „Fanfare for a Golden Sky“ von S. Boerma sowie „From the Eye of the Storm“ von A. Shabazz, alles Stücke, die beim Frühjahrskonzert aufgeführt wurden, gaben die Musiker unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Rudolf Barth ihr Bestes. Die Juroren kamen aus Niederlanden, Belgien, Italien und Portugal. Man war gespannt auf das Ergebnis und war auch damit zufrieden. Mit der fünfthöchsten Punktzahl aller 18 teilnehmenden Orchester, genau 85,5 Punkte, bei den sehr strengen Bewertungskriterien sind sowohl die Musiker als auch Rudolf Barth zufrieden. In der Höchststufe erreichte man den vierten Platz der Orchester, die aus Slowenien, Italien und Deutschland kamen. Den Sieg holte sich ein Hochschulorchester aus Italien.

Das Abschneiden wurde natürlich gefeiert, ehe dann am vierten Tag wieder die Koffer gepackt und die vielen Instrumente verstaut werden mussten. Danach hieß es Abschied nehmen und nach einer zehnstündigen Fahrt wurde Geisingen erreicht. Alle Musiker waren begeistert von der Reise, für die es galt, sich musikalisch vorzubereiten, die aber auch die Kameradschaft vertiefte. Die Stadtmusik hat mit dieser erneuten Bewertung vor einer internationalen Jury mit sehr hohen Anforderungen wieder einmal mehr ihren Leistungsstand unter Beweis gestellt.

Südkurier, 26.04.2010


Musik-Ereignis mit Wetterbericht

Geisingen – Traditionsgemäß startete auch dieses Jahreskonzert der Geisinger Stadtmusik mit dem Auftritt des Jugendblasorchesters. Sie füllten die Bühne der Festhalle Geisingen gut aus, sowohl optisch als auch klanglich.

Stadtmusikdirektor Rudolf Barth versteht es herausragend, die musikalische Jugend auf den Punkt genau zu Höchstleistungen anzuspornen. Da geht es gleich schwungvoll los mit spanischem Temperament. Da werden die Unterschiede zwischen feurigen Rhythmen und melancholischen Soli fein herausgespielt. Das Tutti findet zu grandioser Einheit, Virtuosität macht eben so wenig Mühe wie klangvolle Melodik. Das können die Jungmusiker auch in der „kleinen Yiddischen Ragmusik“ eindrucksvoll beweisen: Der Ragtimerhythmus swingt, die volkstümliche Melodie gleitet durch alle Instrumentengruppen und wird einfühlsam interpretiert. Jazzig fetzig spielen die sechs Trompeterinnen und Trompeter stehend ihre „Rockin' Trumpets“, das übrige Orchester begleitet stimmig. Bezeichnend für Barths Arbeit ist, dass die jungen Talente sich auch solistisch beweisen dürfen. So erklingt das „Concerto for Drum Set and Concert Band“ gleich zweimal. Zunächst spielt Jonas Becker den virtuosen Solopart. Er beeindruckt durch Souveränität, differenzierte Dynamik und ein viel bejubeltes Solo. Dann hört man das gleiche Konzert mit David Haug am Drum Set. Es wird noch schneller gespielt, im Jazzwalzer akzentuiert der junge Solist sehr eigenwillig, und auch im Solo betont er seine Individualität. Das Publikum ist wieder hörbar begeistert. Einmal mehr beweist das Jugendblasorchester seine Flexibilität, seine große Bandbreite und überträgt seine spürbare Musizierfreude unmittelbar auf die Zuhörer in der voll besetzten Festhalle.

 

Nach der Pause folgt die heiter bis sehr stürmische Musikreise der Stadtmusik. Das Aprilwetter beginnt mit einer kraftvollen Fanfare, heftig schallt das Blech, donnernd agiert das Schlagwerk, es tost und braust allerorten. Den jeweiligen Wetterbericht verliest Georg Maier. Bei der Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss dürfen zwei Schlagzeuger mit großer Trommel und Becken vor der Bühne spielen – da erlebt man Blitz und Donner hautnah. Wie vielseitig begabt die Musiker sind, beweist der Schlagzeuger Holger Steffen eindrucksvoll in „Over the Rainbow“. Er braucht dafür kein anderes Instrument als seine Baritonstimme, und die setzt er – auswendig singend – klangvoll ein.

Der verheerende Orkan Katrina vom August 2005 wurde von Ayatey Shabazz, der die Katastrophe hautnah miterlebte, musikalisch verarbeitet. Da werden die Musiker unglaublich gefordert, und auch die Zuhörer können sich der Gewalt dieses in Musik ausgedrückten Hurricans nicht entziehen. Chaos, Dissonanzen bis an die Grenzen des Erträglichen, dazwischen die Klage um die Opfer, und dann wieder das pure Entsetzen und die sich unglaublich steigernde Heftigkeit, das alles gestalten die Stadtmusiker grandios. Lieblich, tonal, jazzig und vertraut folgt „You are the Sunshine of my Life“ von Stevie Wonder. Sabrina Heger glänzt mit kurzem Flötensolo. Man hört in „Overture to Vox Stellarum“ den Weltraum flimmern, großer Klang entwickelt sich, dazwischen Glissandi durch alle Register – Sternschnuppen lösen sich immer wieder hell. Klanggemälde entstehen und verschimmern. Spanisch heiß geht es her in „Chase the Sun“, der sich allmählich entwickelnde Rhythmus reißt alle mit. Und am Ende bleibt das Wetter schön in „On the Sunny Side of the Street“. Natürlich lassen die äußerst begeisterten Zuhörer die Stadtmusiker und ihren souveränen Dirigenten nicht ohne Zugaben gehen – allerdings wird es dann doch nicht noch die sechste Sinfonie von Beethoven – die ja zum Thema durchaus passend gewesen wäre…

Bildergalerie im Internet:

Musik und Bilder einer Ausstellung

 

Badische Zeitung, 16.12.2009

 

RIEGEL. Ein großes musikalisches Ereignis erlebten über 350 Zuhörer am Samstagabend beim Doppelkonzert des Musikvereins Riegel und der Stadtmusik aus Geisingen in der Römerhalle. "Bilder einer Ausstellung" hieß das Motto, es lag deshalb auch nahe, Bilder einer Ausstellung nicht nur musikalisch zu präsentieren, sondern auch Bilder einer Ausstellung zu zeigen.

 

Ein eindrucksvolles Doppelkonzert erlebten 350 Besucher in der Riegeler Römerhalle. | Foto: Helmut Hassler

Die Riegeler Messmer Foundation mit ihrer stellvertretenden Leiterin, Sabine Lenbach, zeigte 20 Exponate mit Landschaftsbildern von André Evard, die sie speziell für das Motto des Abends ausgesucht hatte. "Zum ersten Mal veranstalten wir ein Stuhlkonzert, zum ersten Mal gibt es ein Konzert mit Bildern einer Ausstellung und zum ersten Mal veranstalten wir ein Doppelkonzert", sagte Vorsitzender Hardy Tiemer in seinen Begrüßungsworten. Für die Riegeler Musiker waren es deshalb ein ungewohntes Bild und eine Herausforderung gegenüber den Geisinger Kollegen, die auf der höchsten Leistungsstufe spielen. Die Riegeler Kapelle eröffnete das Konzert unter der Leitung ihrer Dirigentin Katja Wößner mit einer musikalischen Erzählung der Bremer Stadtmusikanten von Hayato Hirose, wobei die Geschichte dazu Lothar Staiblin erzählte. Die zweite und letzte Aufführung der Riegeler Kapelle mit ihren 55 Akteuren war die "Suite from Hymn of the Highlands" mit der heimlichen Hymne Schottlands im letzten Teil, zu der die Messmer Foundation speziell ihre gezeigten Landschaftsbilder ausgesucht hatte.

Nach einer Zugabe mit den "Böhmischen Dorfbildern" begab sich dann die Stadtmusik aus Geisingen mit ihrem Schweizer Dirigenten Rudolf Barth auf die vergrößerte Bühne. Eine kleine Abordnung der Stadtmusik aus Geisingen, die "Tännlehau-Musikanten", hatten schon zweimal beim Musikfest in Riegel für beste Stimmung gesorgt. Die 65 Geisinger spielen auf der Höchststufe, der Kategorie fünf. Sie eröffneten ihr Konzert mit der "Dutch Masters Suite" von Johan de Meij, bei der sich der Komponist in den drei Teilen "Die Nachtwacht", "Der Liebesbrief" und "Der Prinzentag" von einigen berühmten Gemälden aus dem Reichsmuseum in Amsterdam inspirieren ließ. Im Mittelpunkt des Abends stand dann die Aufführung der "Bilder einer Ausstellung" mit welcher der berühmte russische Komponist Modest Petrowitsch Mussorgski seinem Freund und Architekten Victor Hartmann ein musikalisches Denkmal gesetzt hatte. Die "Bilder einer Ausstellung" führen in sechs Teilen, gegliedert durch fünf verschiedene Promenaden, wie "Der Gnom", "Das Alte Schloss" die "Tuileries" mit den streitenden Kindern, dem Bydlo, dem polnischen Ochsenkarren, in den ersten vier Teilen, dem reichen und dem armen Juden im fünften Teil und "Die Hütte der Hexe Baba-Yaga" und "Das Große Tor von Kiew" im sechsten und letzten Teil und der fünften Promenade.


Diese großartige Aufführung dauerte über eine halbe Stunde und forderte von dem sehr umsichtigen Dirigenten Rudolf Barth und den Musikern allerhöchste Konzentration. Besonders beeindruckten die verschiedenen Soli der einzelnen Register, wobei die Flötenstimmen, die der Oboe und die der Hörner herausragten.

Für die Riegeler Kapelle moderierte Daniel Kietz, die Geisinger Musiker kommentierte Rudolf Barth. Verdienten Beifall gab es für beide Kapellen, es war ein schöner musikalischer Abend, es wurden gegenseitig Geschenke für beide Dirigenten und die Kapellen ausgetauscht und eine Stunde nach Mitternacht ging es per Autobus für die Geisinger wieder hinauf an die schwäbische Grenze, wo am nächsten Abend in der Stadtkirche Sankt Nikolaus genau das gleiche Programm auf die Geisinger Musiker beim dortigen Kirchenkonzert wartete.

 

15.12.2009, Südkurier


Konzertgenuss auf höchstem Niveau

 

Ein beeindruckendes Kirchenkonzert bot die Stadtmusik Geisingen am Sonntagabend in der Stadtkirche unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Rudolf Barth.
Bilder: Haug

Wenn ein ganzes, groß besetztes Orchester dem Dirigenten zum Abschluss ein unerwartetes Ständchen bringt, sagt das ebenso viel über die hervorragende Zusammenarbeit aus, wie ein anspruchsvolles Programm. So geschehen in der Stadtkirche St. Nikolaus Geisingen am Sonntagabend. Stadtmusikdirektor Rudolf Barth hatte wieder recht ungewöhnliche Werke ausgesucht und seine Musiker damit auf höchstem Niveau gefordert. Kein Wunder, dass seine Stadtmusik immer wieder bestens in Wettbewerben abschneidet.

Mit kurzen, prägnanten Erklärungen führte Barth jeweils in die Musikstücke ein – und das trug wie immer dazu bei, noch besser verstehen und zuhören zu können.

Mit der „Dutch Masters Suite“ des 1953 geborenen Johan de Meij kamen drei musikalische „Bildbeschreibungen“ zur Aufführung, die durch ihre klangmalerischen Effekte überzeugten. Die Nachtwache (Rembrandt van Rijn) begann düster mit großer Trommel und Gong, dunklen Bläsern und Röhrenglocken und wurde allmählich zu dem klingenden Zug der Nachtwache, zu einem langsamen Marsch. Man konnte es vor Augen sehen, das Bild, so plastisch ließ Rudolf Barth die Stadtmusik Geisingen musizieren. Die prächtigen Steigerungen erinnerten an Filmmusik vom Feinsten. Es folgte Musik zu „Der Liebesbrief“ von Johannes Vermeer, und wie der Komponist auch hier die Farben auszuloten vermag, ist meisterlich. Man konnte sich alles vorstellen, und die Musiker boten meisterliche Klänge, wobei die Harfe die Laute symbolisierte und Beatrix Huber mit klarer Stimme das alte traurige Lied sang. Fantastisch, wie hier Renaissanceklang mit neuen Klangfarben vermischt wurde, intensiv gespielt von der Stadtmusik.

 

Im „Prinzentag“, dem Bild von Jan Steen, bot Meij alles auf, was an eine Kneipe, in der es deftig hergeht, erinnert. Mit lautem Reden, durcheinander und immer wieder von kleinen Musikgruppen untermalt, steigerte sich die Szene zu lautem Gesang, zunächst alles ohne Dirigenten. Er nahm erst später die Leitung wieder auf, um die verschiedenen Klangebenen zu koordinieren – unbeschreiblich, was sich da an Tönen überlagerte, überbot, überflügelte.

Die „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky sind in der originalen Klavierfassung wohl ebenso bekannt wie in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Die in Geisingen aufgeführte Bearbeitung für Blasorchester von Tohru Takahashi dürfte allgemein unbekannter sein. Aber genial ist sie mit den fein ausgeloteten Möglichkeiten aller Blasinstrumente. Auch hier waren alle Instrumentalisten der Stadtmusik Geisingen hoch gefordert, und sie wurden den Anforderungen in hohem Maße gerecht. Die fünf völlig verschiedenen Promenaden wurden charakteristisch und ausdrucksvoll interpretiert. Das Thema tauchte zunächst in Vibraphon und Röhrenglocken auf und wechselte mit den Flöten, hell und freundlich klang der Beginn.

Ganz anders dann der „Gnom“. Lautmalerisch, derb, ungestüm wurde er ausmusiziert, die rasanten, schwierigen Unisonoläufe gelangen überzeugend. Immer wieder überraschten die Klangverbindungen, die in allen Bildern die Stimmungen hervorragend ausleuchteten. So wurde „Das alte Schloss“ mit überzeugender Ruhe über den ostinanten Paukenschlägen ausgespielt, während in den „Tuileries, streitende Kinder“ mit Xylophon, Glockenspiel und Tambourin alles in raschem Accelerando dahinjagte. Der Unterschied von „Bydlo, polnischer Ochsenkarren“ und dem „Ballett der Küken in den Eierschalen“ konnte krasser nicht sein. Man sah es quasi vor sich, wie der Karren sich kaum bewegte, dunkel die Instrumentierung, schwerfällig das Thema, wie aber nach der hell aufleuchtenden Promenade die Küken nur so piepsten und pickten, schnell, hell, flüchtig.

Auch die weiteren Bilder wurden klangvoll gestaltet. Alle Musiker konnten nach Kräften beweisen, wie hart sie sich diese großartige Musik erarbeitet hatten. Sie folgten ihrem Dirigenten durch jedes Tempo, sie zeigten sich dynamisch und rhythmisch unglaublich wandelbar und machten das Konzert zu einem weiteren großen Erfolg ihrer beachtlichen Karriere.

Das Publikum in der voll besetzten Kirche dankte mit lang anhaltendem Beifall, Rudolf Barth und seine Stadtmusik spielten das Liebeslied aus Mussorgskys Oper „Boris Godunow“ als Zugabe, und dann sangen und spielten die Musiker für ihren Dirigenten und die Zuhörer nochmals aus dem „Prinzentag“ (siehe oben).

Mit einem unerwarteten Ständchen würdigte die Stadtmusik am Ende des Kirchenkonzerts ihren beliebten Dirigenten Rudolf Barth.

14.12.09, Südkurier

Hintergründe zum Kirchenkonzert

Hintergrundwissen zum Kirchenkonzert der Stadtmusik Geisingen, das gestern Abend zahlreiche Besucher begeisterte, vermittelte Stadtmusikdirektor Rudolf Bart bei der Werkeinführung.
Foto: Haug

Geisingen (ph) Wie schon im letzten Jahr fand für das Kirchenkonzert der Stadtmusik eine Werkeinführung statt. Was denkt sich ein Komponist wenn er ein Musikstück komponiert? Stadtmusikdirektor Rudolf Barth hatte bei der Werkeinführung am Freitagabend den Besuchern die Werke der Komponisten Johann de Meji und von Mussorgsky nähergebracht. Beide Komponisten beschrieben musikalisch Bilder. Barth beschrieb, was sie sich dabei gedacht haben, als sie Szenen der Bilder musikalisch umgesetzt haben, was den Arrangeur inspirierte, als er Mussorgskys Musik, die für ein Klavier geschrieben wurde, für ein Blasorchester komponierte. Das Konzert am gestrigen Sonntagabend in der Stadtkirche gab weitere Einblicke und war ein weiterer musikalischer Meilenstein der Stadtmusik. Über das Konzert werden wir noch ausführlich berichten.

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